Sicherheit & Technik
Leitersicherheit beim Fensterputzen
- Praxiswissen seit 2004
- Fachlich geprüft
- Verständlich erklärt
- Kostenlose Einschätzung per Foto
Die Ausgangslage
Warum Leiterunfälle so häufig sind
Stürze von Leitern und Tritten gehören zu den häufigsten Unfällen im Haushalt. Das liegt weniger an der Höhe als an der Routine: Wer jedes Jahr dieselben Fenster putzt, wird nachlässig. Die Leiter wird schnell auf den Teppich gestellt, das obere Ende reicht nicht ganz, und für die letzte Ecke lehnt man sich ein Stück weiter hinaus als vernünftig wäre.
Hinzu kommt, dass beim Glasputzen beide Hände beschäftigt sind. Eine hält den Abzieher oder das Tuch, die andere den Eimer oder den Rahmen. Für den sicheren Halt bleibt im entscheidenden Moment nichts übrig. Nasse Sohlen, rutschige Fensterbänke und Reinigungsmittel auf dem Boden verschärfen die Lage.
Ein weiterer Faktor ist die Konzentration. Beim Glasputzen schaut man auf die Scheibe, sucht nach Schlieren und übersieht dabei, wo die Füße stehen. Gerade beim Absteigen verfehlen viele die letzte Stufe, weil der Blick noch am Fenster hängt. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit genügt, um mit dem Knöchel umzuknicken oder rückwärts zu fallen. Wer das weiß, gewöhnt sich an, bei jedem Stufenwechsel bewusst nach unten zu schauen.
Die gute Nachricht: Mit der passenden Steighilfe und wenigen klaren Regeln sinkt das Risiko erheblich. Die gesetzliche Unfallversicherung stellt dazu umfangreiche Informationen bereit, etwa auf dguv.de; für Betriebe ist zudem die Technische Regel zu Leitern relevant, die bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz abrufbar ist.
Welche Steighilfe?
Die richtige Leiter für die jeweilige Aufgabe
| Steighilfe | Geeignet für | Nicht geeignet für |
|---|---|---|
| Tritt mit zwei bis drei Stufen und Haltebügel | Innenseiten normal hoher Fenster, Oberlichter im Altbau | Arbeiten außerhalb des Fensters |
| Stehleiter mit Plattform | bodentiefe Fenster, Schaufenster, Glastüren | unebene Böden, Treppenstufen |
| Mehrzweckleiter | Treppenhäuser mit Stufenausgleich, Wintergartenseiten | ungeübte Nutzer ohne Einweisung |
| Anlegeleiter | Dachrinnen und Außenflächen bei niedriger Traufe | Fensterreinigung in Obergeschossen durch Laien |
| Stuhl, Hocker, Kiste | – | jede Arbeit in der Höhe |
Achten Sie beim Kauf auf eine Kennzeichnung nach der europäischen Leiternorm, breite und rutschfeste Stufen, eine verlässliche Spreizsicherung und einen Haltebügel, an dem Sie sich auch mal festhalten oder einen Eimer einhängen können.
Praxistipp: Kaufen Sie lieber eine Stufe mehr, als Sie zu brauchen glauben. Die oberste Stufe einer Stehleiter ist zum Stehen tabu – wer sie benötigt, hat die falsche Leiter.
Vor dem Aufstieg
Aufstellen, prüfen, besteigen
Die meisten Unfälle sind die Folge einer ungünstigen Aufstellung, nicht eines Materialfehlers. Deshalb verdient dieser Schritt mehr Aufmerksamkeit als das eigentliche Putzen.
Leiter prüfen
Holme, Stufen, Gelenke und Füße kurz kontrollieren. Fehlende Gummifüße oder verbogene Holme sind ein Ausschlusskriterium.
Untergrund klären
Fester, ebener, trockener Boden. Auf Teppich oder glattem Parkett hilft eine rutschhemmende Unterlage; auf Rasen gehören breite Bodenplatten unter die Füße.
Vollständig öffnen
Die Spreizsicherung muss gespannt sein, beide Seiten stehen gleichmäßig auf.
Abstand zum Fenster wählen
Die Leiter so stellen, dass Sie die Scheibe erreichen, ohne den Körperschwerpunkt über die Holme hinaus zu verlagern.
Mit freien Händen steigen
Werkzeug vorher auf die Ablage legen oder sich anreichen lassen. Beim Auf- und Absteigen immer mit dem Gesicht zur Leiter.
Bei Anlegeleitern gilt zusätzlich der richtige Anstellwinkel. Eine Faustregel: Wenn Sie mit den Fußspitzen an den Holmen stehen und die Arme waagerecht ausstrecken, sollten die Handflächen die Sprosse berühren.
Auf der Leiter
Sicheres Verhalten während der Arbeit
- Gürtelschnallen-Regel: Der Bauchnabel bleibt zwischen den Holmen. Was nicht erreichbar ist, wird durch Umstellen erreicht.
- Drei Kontaktpunkte: Zwei Füße und eine Hand oder zwei Hände und ein Fuß haben immer Kontakt zur Leiter.
- Kein Seitwärtsgreifen: Besonders bei Stehleitern kippt das System schnell zur Seite.
- Nicht auf die Fensterbank: Sie ist kein Tritt, oft rutschig und manchmal nur aufgeklebt.
- Nicht nach außen lehnen: Außenflächen in den oberen Etagen sind keine Leiterarbeit.
- Zweite Person: Wenn möglich, sichert jemand die Leiter unten und reicht Material an.
Achtung: Klettern Sie niemals auf die Brüstung eines geöffneten Fensters, um die Außenseite zu erreichen. Schon ein kleines Ausrutschen führt hier zum Sturz nach draußen. Bei Fenstern, die sich nicht zum Putzen nach innen drehen lassen, gehört die Außenseite in die Hände von Fachleuten.
Gut organisiert
Material so planen, dass Sie seltener steigen
Jeder Auf- und Abstieg ist ein kleines Risiko. Wer gut vorbereitet ist, steigt seltener und arbeitet ruhiger. Legen Sie alles bereit, bevor Sie die erste Stufe betreten: Einwascher, Abzieher, zwei trockene Tücher und einen kleinen Eimer mit Henkel, den Sie an den Haltebügel hängen können. Ein Gürtelholster für den Abzieher hält beide Hände frei.
Füllen Sie den Eimer nur zu einem Drittel. Ein voller Eimer ist schwer, schwappt über und macht die Stufen nass. Stellen Sie außerdem ein Handtuch auf den Boden neben die Leiter, auf dem Sie sich die Schuhsohlen abtreten können, falls etwas danebengeht.
Tragen Sie geschlossene Schuhe mit griffiger Sohle statt Hausschuhen oder Socken. Lockere Kleidung, lange Schals oder offene Schnürsenkel können sich an Holmen und Griffen verfangen. Und schließlich: Arbeiten Sie nicht, wenn Sie müde sind, Medikamente eingenommen haben, die die Reaktion beeinträchtigen, oder unter Zeitdruck stehen. Die Scheiben laufen nicht weg.
Spezielle Lagen
Treppenhaus, Altbau und Wintergarten
Treppenhausfenster
Fenster auf Podesten oder über Treppenläufen gehören zu den riskantesten Stellen. Normale Stehleitern stehen hier schief. Mehrzweckleitern mit verstellbarem Holm oder spezielle Podestleitern lösen das Problem. Für Hausverwaltungen ist es meist sinnvoller, diese Arbeit an einen Fachbetrieb zu vergeben; mehr dazu im Beitrag zu Treppenhausfenstern in Wohnanlagen.
Hohe Altbaufenster
In Gründerzeitwohnungen sind Fenster von über zwei Metern Höhe keine Seltenheit, dazu Oberlichter und Kastenfenster mit vier Glasflächen. Hier lohnt eine stabile Stehleiter mit Plattform, auf der Sie bequem stehen können. Hinweise zum Ablauf gibt der Ratgeber zu Kastenfenstern.
Wintergarten und Glasdach
Ein Glasdach darf nicht betreten werden, und Leitern dürfen nicht an Glas oder Sprossen angelegt werden. Für die Dachflächen eignen sich Teleskopstangen vom Boden oder spezielle Laufstege, die der Hersteller vorsieht.
Ohne Leiter
Alternativen, die oft sicherer sind
Viele Aufgaben lassen sich ganz ohne Steighilfe erledigen. Eine Teleskopstange mit Abzieher reicht für Oberlichter und hoch liegende Scheiben vom Boden aus; wie das funktioniert, beschreibt der Beitrag über Teleskopstangen. Bei Häusern mit mehreren Stockwerken arbeiten Fachbetriebe mit wasserführenden Stangen, Hubarbeitsbühnen oder Seilzugangstechnik. Einen Überblick über diese Verfahren gibt der Vergleich Hubsteiger, Gerüst oder Seilzugang.
Gerade für ältere Menschen ist die Leiter ein unterschätztes Risiko. Wer nach einem Schwindelanfall oder mit eingeschränkter Beweglichkeit trotzdem selbst putzt, gefährdet sich unnötig. Der Beitrag Hilfe holen statt Risiko geht darauf ausführlich ein.
Vom Fachbetrieb
Wann Sie die Arbeit abgeben sollten
Sobald Außenflächen über dem Erdgeschoss, Treppenhäuser mit vielen Fenstern oder Glasflächen über Treppenstufen ins Spiel kommen, ist professionelle Unterstützung die vernünftige Wahl. Unsere Mitarbeitenden arbeiten mit geprüften Steighilfen und werden regelmäßig in Sicherheitsfragen unterwiesen. Für hoch gelegene Flächen bieten wir die Höhenreinigung an; für ältere Kunden gibt es die Fensterpflege für Senioren.
Pascal Hartmann bringt es so auf den Punkt: Keine Scheibe ist einen Sturz wert. Für ein Angebot genügen ein paar Fotos über das Anfrageformular. Unsere Betriebshaftpflicht bei der DEVK deckt Personen- und Sachschäden ab; Einzelheiten finden Sie auf der Seite Über uns.
Gut zu wissen
