Fenster putzen
Fenster putzen bei Sonne, Frost oder Regen?
- Praxiswissen seit 2004
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- Verständlich erklärt
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Kurz gesagt
Das Wichtigste vorab
Ideal sind bedeckte, milde Tage zwischen etwa 8 und 20 Grad ohne starken Wind. Problematisch ist vor allem pralle Sonne auf der Scheibe, weil das Wasser zu schnell trocknet. Frost macht das Arbeiten mit Wasser außen schwierig bis unmöglich. Leichter Regen hingegen ist weit weniger schlimm als sein Ruf.
| Wetterlage | Bewertung | Hauptproblem |
|---|---|---|
| Bedeckt, mild | Sehr gut | Keines – genug Zeit zum Abziehen |
| Direkte Sonne, warm | Schlecht | Wasser verdunstet, Kalk und Tenside bleiben als Schlieren |
| Leichter Regen | Brauchbar | Einzelne Tropfen, die meist rückstandsarm abtrocknen |
| Starkregen, Sturm | Ungeeignet | Sicherheit, Schmutzspritzer von unten |
| Frost unter 0 Grad | Außen ungeeignet | Wasser gefriert auf der Scheibe, Dichtungen werden spröde |
Hitze
Warum Sonnenschein dem Ergebnis schadet
Eine Scheibe in der Mittagssonne kann sich deutlich über die Lufttemperatur aufheizen, dunkle Rahmen noch mehr. Trifft lauwarmes Putzwasser auf diese Fläche, beginnt es sofort zu verdunsten. Bevor Sie den Abzieher ansetzen, sind die Ränder schon angetrocknet.
Was dann zurückbleibt, ist alles, was im Wasser gelöst war: Kalk aus dem Berliner Leitungswasser, das recht hart ist, dazu Reste des Reinigungsmittels und feiner Schmutz. Diese Mischung bildet die typischen Ränder und Wolken, die man erst im Gegenlicht sieht.
Was Sie trotzdem tun können
- Uhrzeit verschieben: Ostfenster nachmittags, Westfenster vormittags, Südseite früh am Morgen oder am Abend.
- Kleinere Abschnitte: Große Scheiben in zwei Hälften einwaschen und sofort abziehen.
- Kühleres Wasser: Auf heißem Glas verdunstet kaltes Wasser etwas langsamer als warmes.
- Weniger Mittel: Ein Spritzer Spülmittel genügt; mehr Tenside bedeuten mehr Rückstände.
Praxistipp: Legen Sie die Hand auf das Glas. Fühlt es sich deutlich warm an, warten Sie lieber eine Stunde. Dieser einfache Test ist zuverlässiger als jede Wetter-App.
Mehr zur Entstehung von Schlieren lesen Sie in unserem Beitrag, der erklärt, wie man Fenster streifenfrei putzt.
Kälte
Frost und Minusgrade: Wo die Grenze liegt
Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt verändert sich die Lage grundlegend. Das Wasser bleibt nicht lange genug flüssig, um sauber abgezogen zu werden; es bildet einen hauchdünnen Eisfilm, auf dem der Gummi rattert. Außerdem schrumpfen Gummidichtungen in der Kälte und reagieren empfindlicher auf mechanische Belastung.
Innen ist fast immer möglich
Raumseitig spricht im Winter wenig gegen das Putzen. Im Gegenteil: Gerade in der Heizperiode legt sich ein Film aus Kondensat, Kochdunst und Staub auf die Scheiben. Achten Sie lediglich darauf, nicht zu lange mit geöffnetem Fenster zu arbeiten, damit die Scheibe nicht stark auskühlt.
Außen bei leichter Kälte
Liegen die Temperaturen knapp über null, geht es mit Tricks: etwas Spiritus ins Wasser, zügig arbeiten, gut nachtrocknen. Unterhalb davon raten wir ab. Ausführlich behandelt das unser Artikel zum Putzen in der kalten Jahreszeit.
Achtung: Niemals heißes Wasser auf eine stark ausgekühlte Scheibe gießen. Der Temperatursprung kann besonders bei älteren Einfachverglasungen und bei Scheiben mit Vorschäden zu Spannungsrissen führen.
Nässe
Regen: besser als sein Ruf
Viele verschieben das Putzen, sobald Regen angekündigt ist, weil sie fürchten, die frische Scheibe sei sofort wieder fleckig. Tatsächlich hinterlässt Regenwasser auf einer sauberen Scheibe weniger Spuren als auf einer schmutzigen. Regen ist von Natur aus weich, enthält also wenig Kalk. Die Flecken, die man nach einem Schauer sieht, entstehen meist aus dem Staub, der vorher auf dem Glas lag und durch die Tropfen zu kleinen Inseln zusammengeschoben wird.
Anders sieht es bei Schlagregen aus, der Erde von der Fensterbank oder vom Balkon hochspritzt, und bei Regen unmittelbar nach langer Trockenheit, der zunächst viel Staub aus der Luft wäscht. In Berlin trifft das besonders auf den ersten Regen nach der Pollenzeit im Frühjahr zu.
Profis arbeiten deshalb bei Nieselregen meist weiter. Unter Vordächern oder in Loggien merkt man ohnehin kaum etwas davon. Aus Sicherheitsgründen pausiert unser Team allerdings bei Arbeiten auf Leitern und Steighilfen, wenn Stufen und Standflächen rutschig werden.
Unterschätzt
Wind, Pollen und Feinstaub
Wind wird oft übersehen, wirkt aber ähnlich wie Sonne: Er beschleunigt die Verdunstung. An windigen Tagen trocknen Ränder schon an, bevor der Abzieher sie erreicht. Hinzu kommt aufgewirbelter Staub, der sich auf die nasse Scheibe setzt.
Im Frühjahr kommt der Blütenstaub hinzu. Wer Ende April alle Fenster putzt, sieht oft nach wenigen Tagen einen gelben Schleier. Es kann sinnvoll sein, die gründliche Runde auf die Zeit nach der Hauptblüte zu legen. Hintergründe stehen im Beitrag zum Thema Pollen auf den Scheiben. Aktuelle Pollenflugdaten bietet der Deutsche Wetterdienst.
Ausrüstung
Werkzeug und Mittel passend zum Wetter wählen
Je nach Wetterlage lohnt es sich, die Ausrüstung leicht anzupassen. Profis haben dafür keine geheimen Mittel, sondern nutzen ein paar kleine Stellschrauben, die jeder übernehmen kann.
- Bei Wärme: Einen kürzeren Einwascher verwenden, damit nur so viel Fläche nass wird, wie Sie in wenigen Sekunden abziehen. Den Abziehergummi öfter trocken wischen.
- Bei Kälte: Mit Handschuhen arbeiten, die Griff bieten, und den Gummi vor dem Einsatz in der Wohnung anwärmen, damit er geschmeidig bleibt.
- Bei Nässe: Auf Schaumbildung verzichten, also das Mittel sehr sparsam dosieren. Schaum läuft im Regen herunter und hinterlässt Spuren auf Rahmen und Fassade.
- Bei Wind: Das Tuch am Gürtel festklemmen und Eimer standsicher abstellen; leichte Sprühflaschen meiden, weil der Nebel verweht.
Welche Mittel überhaupt sinnvoll sind, vergleicht der Beitrag über Putzmittel für Glas. Für die meisten Haushalte gilt: Wasser mit einem Tropfen Spülmittel genügt bei jedem Wetter, entscheidend sind Technik und Zeitpunkt.
Planung
Gute Zeitfenster im Berliner Jahr
März bis April
Nach dem Winter sind die Außenflächen voller Streusalzstaub und Ruß. Milde, bewölkte Tage bieten sich an, sobald keine Nachtfröste mehr drohen.
Ende Mai bis Juni
Die stärkste Blüte ist vorbei, die Tage sind lang. Morgenstunden nutzen, bevor die Sonne hoch steht.
September bis Oktober
Oft ideales Wetter: gemäßigte Temperaturen, flaches Licht. Eine gründliche Herbstrunde sorgt für helle Räume im dunklen Halbjahr.
Winter
Innenseiten nach Bedarf, Außenseiten nur an frostfreien Tagen oder mit Reinwassertechnik.
Vom Fachbetrieb
Wie wir mit dem Wetter umgehen
Ein Fachbetrieb kann sich das Wetter nicht aussuchen, aber er kann damit umgehen. Unser Team plant die Reihenfolge der Fassadenseiten nach dem Sonnenstand und arbeitet außen gern mit wasserführenden Stangen und entmineralisiertem Wasser. Dieses Reinwasser enthält keine gelösten Mineralien und trocknet deshalb auch bei Wärme ohne Kalkränder ab; mehr dazu bei der Reinwasserreinigung.
Bei Dauerfrost, Sturm oder Gewitter verschieben wir Außenarbeiten in Absprache mit Ihnen. Das ist keine Bequemlichkeit, sondern eine Frage von Ergebnis und Sicherheit. Pascal Hartmann entscheidet in solchen Fällen gemeinsam mit den Mitarbeitenden vor Ort. Informationen zum Leistungsumfang finden Sie auf der Seite zur professionellen Fensterreinigung, Termine können Sie über die Anfrage vereinbaren.
Gut zu wissen
