Fensterarten & Glas
Beschichtetes Glas reinigen: Sonnenschutz- und Selbstreinigungsglas
- Praxiswissen seit 2004
- Fachlich geprüft
- Verständlich erklärt
- Kostenlose Einschätzung per Foto
Kurz erklärt
Welche Glasbeschichtungen es gibt und wo sie sitzen
Fast jedes Isolierglas, das in den letzten zwanzig bis dreißig Jahren eingebaut wurde, ist in irgendeiner Form beschichtet. Für die Reinigung entscheidend ist aber nicht, ob es eine Beschichtung gibt, sondern auf welcher Seite der Scheibe sie liegt. Glasflächen werden in der Fachsprache von außen nach innen nummeriert: Position 1 ist die Wetterseite, Position 2 und 3 liegen im Scheibenzwischenraum, Position 4 zeigt zum Raum.
Wärmeschutzschicht
Eine unsichtbare Metalloxidschicht reflektiert Wärmestrahlung zurück in den Raum. Sie liegt fast immer im geschützten Zwischenraum und ist beim Putzen nicht erreichbar. Für Sie bedeutet das: normale Reinigung.
Sonnenschutzschicht
Sie hält einen Teil der Sonnenenergie draußen und lässt das Glas oft leicht bläulich, grünlich oder silbrig wirken. Meist liegt sie ebenfalls innen, bei manchen Produkten aber auf der Außenseite.
Selbstreinigende Beschichtung
Eine fotokatalytische Schicht auf der Außenseite zersetzt mit Hilfe von UV-Licht organischen Schmutz, und Regen spült ihn ab. Sie liegt immer auf Position 1 und ist entsprechend empfindlich.
Hydrophobe Versiegelung
Nachträglich aufgebrachte Nano- oder Polymerversiegelungen lassen Wasser abperlen. Sie sitzen auf der Oberfläche und nutzen sich mit der Zeit ab.
Entspiegelte und bedruckte Gläser
Antireflexglas in Schaufenstern oder Vitrinen sowie Gläser mit Siebdruck oder Ätzmuster brauchen besondere Sorgfalt, weil die Oberfläche strukturiert oder beschichtet ist.
Spurensuche
So finden Sie heraus, welches Glas Sie haben
Viele Eigentümer wissen nicht genau, was in ihren Fenstern steckt. Es gibt aber einige verlässliche Hinweise:
- Aufdruck im Abstandhalter: Zwischen den Scheiben ist an der Kante ein Metall- oder Kunststoffprofil sichtbar. Darauf sind häufig Hersteller, Produktname und Herstellungsdatum gedruckt. Mit diesen Angaben gibt das Datenblatt des Herstellers Auskunft.
- Bauunterlagen und Rechnung: In Leistungsverzeichnissen von Neubauten und Sanierungen ist die Verglasung meist genau angegeben.
- Feuerzeugtest: Halten Sie nachts eine Flamme vor die Scheibe. Sie sehen mehrere Spiegelbilder. Hat eines davon eine andere Farbe, liegt auf der entsprechenden Fläche eine Beschichtung. Das Verfahren ist eine grobe Orientierung, kein Beweis.
- Wasserverhalten: Auf selbstreinigendem Glas bildet Wasser nach einiger Zeit im Sonnenlicht einen gleichmäßigen Film statt Tropfen.
Praxistipp: Fotografieren Sie den Aufdruck im Abstandhalter und heben Sie das Foto bei Ihren Hausunterlagen auf. Bei späteren Fragen zur Reinigung oder zum Glastausch sparen Sie sich das Suchen.
Hände weg
Was auf beschichteten Außenflächen nicht erlaubt ist
Liegt eine Funktionsschicht auf der Wetterseite, gelten strengere Regeln als bei normalem Floatglas. Die Schicht ist oft nur Bruchteile eines Mikrometers dick. Was auf unbeschichtetem Glas harmlos ist, kann sie dauerhaft beschädigen.
| Werkzeug oder Mittel | Risiko |
|---|---|
| Glasschaber, Klinge, Ceranfeldschaber | trägt die Schicht in Streifen ab, sichtbare Kratzspuren |
| Scheuermilch, Polierpaste, Stahlwolle | schleift die Oberfläche matt |
| Silikonhaltige Reiniger, Autopflegemittel | überdecken die fotokatalytische Schicht, Selbstreinigung fällt aus |
| Fluss- oder Salzsäure | greift Glas und Beschichtung an |
| Fensterputztücher mit Wachs | hinterlassen einen Film, der die Funktion stört |
Achtung: Kratzer in einer Außenbeschichtung sind nicht reparierbar. Im Gegenlicht wirken sie oft auffälliger als auf normalem Glas, weil die Schicht an den beschädigten Stellen anders reflektiert. Ein Austausch der Scheibe ist dann die einzige Lösung.
Warum Klingen auf Glas allgemein mit Vorsicht einzusetzen sind, zeigt der Beitrag Glasschaber richtig einsetzen.
Im Detail
Selbstreinigendes Glas: Was es leistet und was nicht
Der Begriff weckt hohe Erwartungen. Tatsächlich arbeitet die Beschichtung in zwei Stufen: Zunächst zersetzt UV-Licht organische Ablagerungen wie Blütenstaub, Insektenreste oder Rußpartikel langsam. Dann sorgt die hydrophile Oberfläche dafür, dass Regenwasser einen geschlossenen Film bildet und den gelösten Schmutz flächig abspült.
Wo das gut funktioniert
Auf frei bewitterten Glasdächern, Wintergärten und Fassaden, die regelmäßig Sonne und Regen abbekommen, bleibt das Glas deutlich länger ansehnlich.
Wo die Wirkung nachlässt
Unter Dachüberständen, an Nordseiten, hinter Balkonen und in engen Berliner Hinterhöfen fehlt entweder der Regen oder das Licht. Mineralische Verschmutzungen wie Kalk, Zementstaub oder Sand werden ohnehin nicht zersetzt. Auch dicker Vogelkot braucht manuelle Hilfe.
So reinigen Sie selbstreinigendes Glas
Mit klarem Wasser oder Wasser mit sehr wenig Spülmittel einwaschen, mit einem sauberen Abzieher abziehen, bei Bedarf mit einem weichen, sauberen Tuch nachwischen. Keine Reiniger mit Silikon, Wachs oder Abperleffekt verwenden. Der Hersteller gibt in der Regel eine Liste geeigneter Mittel heraus.
Ein häufiger Irrtum betrifft die Anlaufzeit: Frisch eingebaute selbstreinigende Scheiben brauchen einige Tage bis Wochen Sonnenlicht, bis die Schicht ihre volle Wirkung entfaltet. Wer in dieser Phase Flecken sieht und zu kräftigen Mitteln greift, kann die Aktivierung stören. Geduld und klares Wasser sind am Anfang die besten Begleiter. Stellen sich nach längerer Zeit ungewöhnlich hartnäckige Schlieren ein, ist oft ein Rückstand aus Silikon oder Fett schuld, etwa von Dichtungsarbeiten oder von Pflegetüchern, die für normales Glas gedacht sind.
Alltag
Sonnenschutzglas im Büro und zu Hause
Sonnenschutzverglasungen findet man vor allem an Bürogebäuden, Schulen und Neubauwohnungen mit großen Südfenstern. Liegt die Schicht innen im Zwischenraum, können Sie die Scheibe beidseitig wie gewohnt putzen. Liegt sie außen, gelten die Regeln für empfindliche Oberflächen: keine Klinge, keine Scheuermittel, sauberes Werkzeug.
Eine Besonderheit: Auf verspiegelten Außenflächen sind Schlieren und Kalkränder viel deutlicher sichtbar als auf klarem Glas. Hier lohnt sich die Reinigung mit entmineralisiertem Wasser. Wie das funktioniert, erklärt der Beitrag zur Reinwassertechnik. Wer sich generell für Sonnenschutz und Raumklima interessiert, findet weitere Hinweise im Artikel Sommerhitze und Fenster.
Nachträglich aufgeklebte Sonnenschutzfolien auf der Innenseite sind keine Beschichtung im eigentlichen Sinn, aber ebenfalls kratzempfindlich. Sie werden nur mit weichen Tüchern und milder Seifenlösung behandelt, keinesfalls mit Klingen oder ammoniakhaltigen Reinigern. Hintergründe zu Funktionsgläsern liefert auch der Wikipedia-Artikel zum Isolierglas.
Nach dem Einbau
Besonders kritisch: die erste Reinigung nach dem Bau
Die meisten Schäden an beschichteten Scheiben entstehen bei der Bauendreinigung. Auf neuen Fenstern kleben Putz, Mörtel, Silikon und Etiketten, und die Versuchung ist groß, mit der Klinge nachzuhelfen. Auf beschichteten Außenflächen ist das tabu. Stattdessen werden Verschmutzungen eingeweicht, mit Kunststoffschabern vorsichtig gelöst oder mit geeigneten Mitteln angelöst.
Wer Fenster neu einbauen lässt, sollte vorab mit dem Fensterbauer klären, wie die Gläser während der Bauzeit geschützt werden. Schutzfolien müssen allerdings rechtzeitig wieder ab, da sie sonst unter UV-Einfluss Klebstoffreste hinterlassen. Mehr dazu im Beitrag über den Ablauf der Bauendreinigung.
Vom Fachbetrieb
Beschichtete Scheiben in Fachhände geben
Unsere Fachkräfte klären vor Arbeitsbeginn, welche Gläser verbaut sind, und passen Werkzeug und Mittel daran an. Bei Funktionsgläsern auf der Wetterseite verzichten wir auf Klingen und verwenden sauberes Werkzeug sowie bei Bedarf entmineralisiertes Wasser. Innenliegende Glaswände, Ganzglastüren und Trennwände mit Folien oder Drucken behandeln wir im Rahmen unserer Reinigung von Innenverglasungen; großflächige Außenverglasungen erledigen wir mit der Reinwasserreinigung.
Sie kennen Ihr Glas nicht genau? Fotografieren Sie den Aufdruck im Scheibenzwischenraum und schicken Sie das Bild über die Kontaktseite mit. Pascal Hartmann und sein Team prüfen die Angaben und berücksichtigen sie im Festpreisangebot.
Gut zu wissen
